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Aktuell | Organistisches Manifest

Organistischer Dialog
Organistischer Dialog

Die Natur hat uns das Sehen gelehrt: Eine Form gewinnt wie ein Berg oder Baum mit zunehmender Größe an Bedeutung. Mehrere Formen erzeugen mit zunehmender Anzahl wahrnehmbare Muster. Farben locken, tarnen, warnen oder spiegeln einen Zustand wider. Dies hat zu unserem bisherigen Überleben beigetragen: Wir sehen. Wir assoziieren. Wir lernen. Wir kommunizieren. Doch je mehr wir von einer Sache wissen, desto abstrakter, unklarer, unschärfer und relativer wird es in anderen Bereichen. Wir erfinden daher neue Namen und erfreuen uns an der neugewonnenen Illusion des Verstehens. Dennoch ahnen wir, dass da noch mehr sein muss!

Also abstrahieren wir, suchen nach Begründungen für Alles, was sich außerhalb unseres individuellen Verstehens befindet. Wir suchen nach der großen Formel im Chaos und nutzen dabei alle uns zur Verfügung stehenden Mittel. Der jeweilige Zeitgeist teilt uns bei der Frage nach dem "Richtig" und dem "Falsch" in Parallelgesellschaften mit eigenen Glaubenssätzen und Geisteswissenschaften auf.
Doch jetzt suchen wir wieder den Dialog. Unsere eigenen Symbole und der Zeitgeist helfen uns dabei nicht weiter, denn sie besitzen keine Allgemeingültigkeit. Nur die Natur ist uns allen gemeinsam: Sie lehrt uns seit Menschengedenken Geduld, Nutzen, Schönheit und Vergänglichkeit. In der Natur gibt es kein Gut und Böse. Sie ist das Spiel mit Formen und Farben des Lebens. Nutzen wir doch diesen Spielraum auf der Suche nach Gemeinsamkeiten!
Organistischer Formgebungs-Prozess
Ähnlich der symbolischen Erschaffung der ersten Wesenheit knete, verdrehe, ziehe auch ich die Formen und lasse sie auf der Leinwand wachsen, bis sie mir perfekt erscheinen. Da ein ausgewogener und ästhetischer Dialog nur zwischen mehreren Formenwesen möglich ist und sichtbar wird, füge ich Gegenformen hinzu.
Aufgrund des bewussten Fehlens von Symbolen können diese organischen Formen erst durch deren Gesamtheit als Muster erkannt und somit tatsächlich assoziativ werden. Die Erarbeitung dieser Organistischen Formen findet über die Farbe statt. So wie das Innen und Außen, die Ecke und die Rundung leben meine Arbeiten zumindest anfangs auch farblich von der Gegensätzlichkeit, welche oft durch die schichtende Acryl-Trockentechnik im Entstehungsprozess abgemildert wird.
Das Ergebnis sind lebendige Formen in leuchtenden Farben und erstaunlichen Zuständen. Und diesen Zuständen gebe ich Namen...

© Jojo Darski 1997